Donnerstag, 25. August 2011

[Rezi] Wenn du mich brauchst

Frey, Jana:
Wenn du mich brauchst : Roman / Jana Frey. - Würzburg : Arena, 2011. - 365 S.
ISBN 978-3401062778

Rezension:
"Leise legte sie eine Hand auf ihren Bauch und betete für ihr ungeborenes Kind. Um sie herum drängten sich Menschen und Menschen und Menschen, gepresst an Menschen und Menschen und Menschen. In Esthers Bauch rührte sich kein Schmetterling auf dieser Reise. Vielleicht war er schon fortgeflogen. Wer wusste das?"
(Seite 46, Zeile 8 - 14)

Auf der einen Seite gibt es Sky: Fast achtzehn Jahre alt, lebt sie mit ihrer verrückten Familie in L.A. Tagtäglich muss sie in einem heruntergekommenen Haus aufwachen, dass nicht noch chaotischer geht. Ihr Bruder Moon ist der schweigsamste Mensch, den sie kennt, ihre Mutter hat eine Vorliebe für Drogen und ihr Vater ist selten da und pflegt oft seine außerehelichen Beziehungen. Das Leben hält sie nur dank ihrer besten Freundin aus. Besser machen es auch nicht ihre deutschen Großeltern, die gerne ihre Spießigkeit heraushängen lassen.
Dann aber lernt Sky Gershon kennen, einen Juden, und fühlt sich zu ihm hingezogen. Bevor sie sich aber Gedanken über ihre Gefühle machen kann, gerät ihre Welt noch mehr aus den Fugen, als sie es schon ist...

Auf der anderen Seite steht Hannah: Ebenfalls fast achtzehn und wohnhaft in der selben Stadt wie Sky. Ihre Familie aber ist eine komplett andere: Sie sind Juden und leben ihren Glauben aus. Hannahs Familie ist ein Traum und sie sind recht wohlhabend. Der einizige Schandfleck ist die alte Urgroßmutter, die sich mittlerweile nur noch dem Alkohol hingibt. Im betrunkenen Zustand berichtet sie dann gerne von ihrer Zeit in Auschwitz und erwähnt eine geheimnisvolle Annegret. Dennoch scheint Hannahs Leben perfekt. Doch dann wird ihr Bruder schwer krank und die Familie muss erfahren, dass vor fast achtzehn Jahren ein schwerer Irrtum passiert ist.

Ein Irrtum, der die Leben zweier verschiedener Familien komplett verändert.
Ein Irrtum der Wahrheiten ans Licht bringt und jeden Beteiligten an seinem Leben und seinem Glauben zweifeln lässt. 

Zu Anfang war ich etwas verwirrt, da man aus dem Klappentext heraus nicht erkennen kann, dass es hier um zwei Geschichten geht. Dennoch hat sie mich recht schnell gefangen genommen. Überwiegend wird jedes Kapitel aus der Sicht eines der Mädchen geschrieben. Ab und an aber kommen auch andere Beteiligte zu Wort. Die Leben der beiden scheinen sich komplett voneinander getrennt abzuspielen, verbinden sich im Verlauf der Geschichte aber immer mehr.
Mit Witz, Charme und ruhige Worten beschreibt die Autorin zwei gegensätzliche Familien und deren Eigenschaften. Insbesondere behandelt dieses Buch auch die gegenseitigen Vorurteilen von jüdischen und deutschen Familien. Auch aus diesem Grund fand ich die Geschichte sehr interessant und sie ist mal etwas anderes...
Wer sich für die Vergangenheit Deutschlands, sowie einen Jugendroman interessiert, der traurig, fröhlich, nachdenklich und doch noch glücklich macht, ist dies die richtige Wahl!





Das Cover:
In dezenten blauen Farben gehalten, wirkt das Cover dennoch sehr interessant. Die Zeichnungen von Pflanzen füllen es fast vollständig aus. Nur der Titel und Name unterbrechen dies mit einem weißen Hintergrund. Schlicht - aber schön.

Die Autorin:
Jana Frey, 1969 in Düsseldorf geboren, begann bereits als Kind mit dem Geschichtenschreiben. Später studierte sie Literatur, Geschichte und Kunst in Frankfurt am Main, den USA und Neuseeland und gründete eine Familie. Bis heute hat Jana Frey zahlreiche Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht.

Weitere Titel:
  • Der verlorene Blick : Ein Mädchen erblindet (2011)
  • Schwarze Zeit (2011)
  • Höhenflug abwärts : Marie nimmt Drogen (2011)
  • Ich, die Andere (2010)
  • Kein Wort zu niemandem (2010)
  • Das eiskalte Paradies (2010)
  • Der Kuss meiner Schwester : Eine verbotene Liebe (2009)
  • ....

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